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Zwischen Polstern, Perlen und Pailletten

Zu Besuch in der Kostümschneiderei von Femme Fatale

Nadel und Faden zwischen den Fingerspitzen liest Lalo eine glitzernde pinke Paillette auf, um eine winzige rosa Perle wie den Stempel einer Blume darauf zu platzieren. Noch 11.999 weitere Pailletten und Perlen, 20 Meter geraffter Tüllstoff plus eine Woche Zeit – dann ist die Bühnenrobe für Femme Fatale-Darstellerin Susi ein strahlender Traum in pink.

In einem kleinen Atelier im Essener Osten, umrahmt von pinken, schwarzen, roten und weißen Federn, Glitzerstoffen und fertigen Kleidern, entwirft, näht und bestickt Lalo alias Manuel Mendez Madrid, Mitglied des Travestie-Ensembles Femme Fatale, die glamourösen Kostüme für „Voilà“, die Premierenshow des RevuePalast Ruhr auf Zeche Ewald in Herten. Der „kleine Spanier“, wie er von seinen Bühnenkollegen liebevoll genannt wird, designt die gesamte Kollektion selbst –seit Januar 2009 entstanden so 40 traumhafte Show-Outfits.



Maßgeschneiderte Figuren
Lalo, der 2009 seinen 60. Geburtstag und sein 40. Bühnenjubiläum feierte, schneidert seit seinem 14. Lebensjahr. Dank der strengen Schule seiner Mutter ist er darin zum Perfektionisten avanciert. Die Körper der Femme Fatale-Künstler kennt keiner besser als er. Über jedes Kilo mehr oder weniger wacht er mit gestrenger Mine, damit Carlos, Donato, Jeanny, Dannyboy, Susi, Gilda und Igor ihre Linie halten. Gurte mit individuellen Taillenumfängen sowie ein Heft mit Daten zu Hals-, Brust-, Arm- und Beinumfang helfen ihm beim Maßschneidern. Weibliche Rundungen zaubert er durch Korsetts und Polstereinlagen an Brust und Po.

Federn aus Thailand und Brasilien
Ralf Kuta kommt an diesem Tag zur Anprobe vorbei: „Ist mein Hintern auch schön rund? Halten die Federn, wenn ich mich bewege?“ Lalo bleibt gelassen. „Ich klebe und nähe die Federn und sichere sie mit Nylonband ab, dann schwingen sie mit der Bewegung, halten aber sicher“, sagt der ausgebildete Tänzer.

Die Fasanenfedern, die eigens aus Brasilien und Thailand eingeflogen wurden, sind sehr empfindlich, weiß Lalo. In seinem Atelier hängen die kostbaren Einzelteile darum ganz oben an den Wänden, „damit die Kollegen nichts kaputt machen, wenn sie vorbeikommen“.

Schön an- und schnell ausziehen
Seine Kollegen, die für Lalo in den vergangenen neun Jahren bei Femme Fatale seine Freunde geworden sind, besuchen ihn oft für eine Tasse Kaffee oder aus Neugierde auf die Kostüme im Atelier. „Als Susi vor Kurzem ihr Kleid anprobierte, musste sie vor Begeisterung weinen – das war das beste Kompliment für meine Arbeit“, freut sich der seit 1992 in Deutschland lebende Spanier. Aber nicht nur schön, auch praktisch müssen die Kleider sein. Wenn die acht Darsteller mehr als zehnmal ihre Kostüme während der Show wechseln, wenn aus Lalo Amy Winehouse, aus Amy Winehouse eine kleine schräge Puppe und aus dieser Puppe Charlie Chaplin wird, dann müssen die Wechsel schnell gehen. 30 bis 90 Sekunden dauert jedes Umziehen – dafür sorgen Lalos praktische Kleider und die flinken Hände von Garderobier Rüdiger.

Aus acht mach viele Die schnellen Wechsel und über 100 Kostüme sorgen beim Zuschauer für köstliche Verwirrung „Wenn wir nach der Show aus dem Backstage-Bereich kommen, wundern sich die Leute, dass wir nur zu acht sind. Durch die bunten und vielfältigen Kostüme denken sie, wir wären ein viel größeres Ensemble“, freut sich Ralf Kuta, Show-Regisseur von Femme Fatale. Er selbst tritt mit einem schillernd weißen Kleid und einem 13 Kilogramm schweren weißen Mantel als Marlene Dietrich auf. An seinem Kleid für das große Finale befinden sich weit über 12. 000 Pailletten und mehr als 30 Meter Tüll.

Die Besten in Deutschland
Abgesehen von sechs Wochen, die Lalo in diesem Jahr bei seiner Familie in Madrid verbracht hat, saß er jeden Tag – außer samstags – im Atelier. Sechs Stunden näht er täglich, bis er nach Hause geht und weiter stickt. Perle um Perle zieht er dann auf unzählige Pailletten, bis die Augen brennen. Aber den Preis zahlt er gern: „Ich liebe meine Arbeit. Und ich will, dass alles perfekt ist. Immerhin sind wir die Besten in Deutschland.“

Nächste VorstellungFr 24.05. 20:00
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